Fußballväter - Tatort Braunschweig

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Fußballväter



Informationen zu einer besonderen Stadtführung mit dem Thema "Konrad Koch - auf der Suche nach Plätzen für das neue Spiel". Diese Führung kann für Gruppen nach Vereinbarung bestellt werden. Der geschichtliche Hintergrund ist hier zusammengestellt. Im Kinofilm "Der ganz große Traum des Konrad Koch" spielt Daniel Brühl den Lehrer aus Braunschweig (wenn auch die Umsetzung sehr frei ist, aber ein herrlicher Familienfilm), und ich durfte als Statist mit dabei sein. Für Pro Sieben mit einem Beitrag über Konrad Koch schlüpfte ich dann in die Rolle des Lehrers...

Fußball in Braunschweig

1874 fand in Braunschweig das erste Fußballspiel deutscher Mannschaften statt. Die Lehrer Konrad Koch und August Hermann hatten die Idee für dieses neue Spiel, das sie mit den Schülern des Martino-Katharineums durchführten. Ein Jahr später, 1875, veröffentlichte Konrad Koch das erste Regelwerk für Fußball, immerhin schon mit 4 "Abseits"-Regeln.

Die Fußballväter  


1874 warfen die beiden Lehrer ihren Schülern auf dem Kleinen Exerzierplatz in Braunschweig einen Lederball zu, gaben ein paar Anweisungen, und das Spiel begann. Im Jahr 1875 gab Konrad Koch das erste deutschsprachige Regelwerk für das aus England stammende neue Spiel heraus - bereits mit einer Abseitsregel
Was als Winterspiel für die Schüler am Braunschweiger Gymnasium Martino-Katharineum gedacht war, sollte sich schnell zu einem der beliebtesten Spiele entwickeln. Ursprünglich nur für Schüler gedacht, verselbstständigte sich die neue Spielidee sehr rasch - schneller, als die beiden Lehrer sich das eigentlich gedacht hatten. Sport? Das hatten sie nicht beabsichtigt. Für sie stand der Spaß der Schüler an einem neuen Turnspiel im Vordergrund!





Bild unten: Drehaufnahmen u.a. in Wolfenbüttel mit Daniel Brühl als Konrad Koch für den Spielfilm "Der ganz große Traum des Konrad Koch"

Spurensuche

Immer wieder findet man Hinweise - insbesondere im Internet - auf ein Grab des Fußballpioniers Konrad Koch in Braunschweig. Danach soll sich sein Grab auf dem Friedhof St. Petri, Goslarsche Straße, befinden. Das ist nicht richtig. Konrad Koch wurde auf dem Hauptfriedhof in Braunschweig beigesetzt, sein Grab ist schon vor vielen Jahren eingeebnet worden.

Grabsteininschrift "Professor Konrad Koch"


Ein etwas begrünter Grabstein auf dem Friedhof, der als einer der ersten außerhalb der alten Stadt im 18. Jahrhundert errichtet wurde, nachdem Herzog Carl I. angewiesen hatte, aus gesundheitlichen Gründen die Friedhöfe in der Innenstadt zu schlie0en, findet sich dennoch mit der zunächst verwirrenden Inschrift "Professor Konrad Koch" an dieser Stelle.
Auf zwei Tafeln jeweils am Eingang zu diesem Friedhof findet man auch den Hinweis auf das Grab Nr. 4 mit dem Hinweis: "Professor Konrad Koch. 1810-1884. Lehrer am Gymnasium Martino-Katharineum." Nur durch die Jahreszahlen lässt sich erklären, dass es sich um den Vater des Fußballpioniers handelt. Johann Conrad Koch war ebenfalls Lehrer an der gleichen Schule, und die Vornamen wurden vermutlich verwendet, wie es den Namensträgern gefiel. "Der" gemeinte Koch hieß eigentlich auch vollständig Wilhelm Carl Johann Konrad Koch und nannte sich stets nur "Konrad Koch" - an der Schule wurde er auch als "Lauf-Koch" benannt, weil es zwei weitere Lehrer mit dem Nachnamen Koch gab..

Wer hat's erfunden.....

Die Geschichte des Fußballs ist tatsächlich uralt - schon in China spielte man ein Spiel mit einem Ball etwa im 3. Jahrtausend vor Christi Geburt. Es gab zwei Mannschaften beim "ts'uh küh" mit jeweils 10 Spielern, die den Ball in Tore mit einem Netz treten mussten. Der Ball war mit Federn gefüllt. Fußballähnliche Spiele soll es dann auch im 12. Jahrhundert in Frankreich und England gegeben haben, in der Renaissance schließlich spielte man in Florenz eine Art Rugby. Als eigentliches "Mutterland" gilt England, in dem Anfang des 19. Jahrhunderts ein sehr ruppiges Spiel auf den Straßen gespielt wurde.
Konrad Koch und August Hermann waren seit 1869 Lehrer am Braunschweiger Gymnasium Martino-Katharineum. Hermann bildete sich zum Turnlehrer weiter und begann, mit neuen Ideen frischen Wind in die Turnerei an der Schule zu bringen. Statt langweiligem Riegenturnen, Seilklettern und Keulenschwingen bemühte er sich um Spiele, die den Schülern Spaß machten. Der Arzt Friedrich Reck hatte als Militärarzt in England ein Fußballspiel erlebt und berichtete Koch und Hermann davon. Schließlich war es der Turnlehrer Hermann, der durch seine Kontakte nach England einen Lederball besorgte, und am 29. September 1874 war es so weit: Die Geburtsstunde des Fußballspiels in Deutschland schlug - und niemand nahm großartig Notiz von diesem Ereignis. Ein Jahr später hatte Konrad Koch das erste Regelwerk in deutscher Sprache vorgelegt: "Fußball. Regeln des Fußball-Vereins der mittleren Classen des Martino-Catharineums zu Braunschweig." lautete der Titel - und damit begann das Thema Fußball sich auszubreiten - wenn auch sehr, sehr langsam und mühsam und mit vielen Schwierigkeiten verbunden.

Kein Fotograf oder Chronist hielt das Ereignis damals in Wort und Bild fest - wir wissen von diesem historischen Datum nur durch eine Notiz von Konrad Koch. An der historischen ersten Spielstätte - heute stehen dort das Naturhistorische Museum und das Haus der Wissenschaft - wurde eine Gedenktafel aufgestellt, die an das Ereignis erinnert.

Schließlich fühlten sich andere Lehrer herausgefordert und wetterten gegen diese "Englische Krankheit" und die "Fußlümmelei" - aber Koch und Hermann ließen sich davon nicht entmutigen. Während Hermann ständig auf der Suche nach weiteren, interessanten Spielen war und u.a. auch Basketball als "Korbball" einführte, schrieb der Philologe Koch zahlreiche Schriften und Aufsätze zum Thema Fußball.

Das Regelheft von Konrad Koch blieb im Familienbesitz erhalten - bislang das einzige, bekannte Exemplar. Es enthält handschriftliche Anmerkungen, die insbesondere für die spätere Form des Spieles, "Fußball ohne Ballaufnahme", Verwendung fanden.

War der Ball rund?

Der erste Fußball, der aus England seinen Weg nach Braunschweig gefunden hat, ist natürlich nicht mehr erhalten. Wir können nur vermuten, dass es sich dabei um einen ovalen Rugby-Ball gehandelt hat, aber so ganz mag ich mich diesem Gedanken nicht anschließen. Die "Medizinbälle" aus Leder waren bekannt, aber viel zu groß und unhandlich. Im Heimatmuseum Lehre wird an den Turnlehrer August Hermann erinnert. Dort konnte ich einen sehr alten Lederball bewundern, der, wie auch die frühen Handbälle, Längsnähte aufweist und rund ist. Das gute Stück in Lehre ist übrigens sehr schwer und "steinhart" - Leder eben, das häufig benutzt und nass wurde.....

Übrigens: Der älteste Fußballklub der Welt ist der FC Sheffield, gegründet am 24. Oktober 1857 von einem Weinhändler und einem Firmendirektor...


 
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